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Bachelorprojekt
Die Scrollytelling-Seite «Mit den Augen des Wolfes» entstand im Rahmen der Bachelorarbeit im Joint-Degree Studiengang Multimedia Production an der Fachhochschule Graubünden und der Berner Fachhochschule.
Konzeption und Umsetzung
Jasmin Stammler
jasmin.stammler@gmail.com
LinkedIn, behance
Quellen
KORA, Gruppe Wolf, CH Wolf, Wolfskonzept BAFU, WWF,
Pro Natura
Eingesetzte Libraries:
GreenSock, ScrollMagic, Howler
Sound:
Freesound
Einst lebten du und ich friedlich nebeneinander als ebenbürtige, grosse Jäger.
Wir durchstreiften die Wälder auf der Suche nach der gleichen Beute, ohne jemals Feinde zu sein.
Einige von uns schlossen sich dir sogar an und waren fortan Teil deines Rudels.
Sie jagten an deiner Seite und beschützten deine Welpen.
Fakt 01
Domestizierung
Vor rund 15’000 Jahren näherten sich die Wölfe immer wieder menschlichen Siedlungen, in der Hoffnung, Nahrungsabfälle zu ergattern. Mit der Zeit passten sie sich an das Leben in Menschennähe an und wurden zahmer.
Zuerst bewunderte ich all deine Errungenschaften.
Du konntest das Feuer bändigen, hast Werkzeuge erschaffen und die Beute gezähmt.
Dein Rudel wurde immer grösser,
und du hast nach und nach begonnen unsere Wälder zu zerstören.
Ich fürchtete mich, denn du vertriebst mich aus meiner Heimat in die Alpen ...
Fakt 02
Rodung und Vertreibung
Durch die rücksichtslose Rodung der Wälder wurde nicht nur der Lebensraum des Wolfes, sondern aller Wildtiere vernichtet. Zudem kam die ungeregelte Jagd hinzu, die das Schwinden der Beutetiere beschleunigte. Der Wolf hatte keine Heimat und keine Beute mehr.
Als ich hungrig begann deine zahme Beute zu reissen, sahst du in mir einen bedrohlichen Feind.
Fakt 03
Werdegang zum bösen Wolf
Im späten Mittelalter und in der Renaissance gab es viele Bauern. Sie waren arm und hatten nur wenige Nutztiere. Wenn ein Wolf eine Ziege riss, war dies eine schwerwiegende Katastrophe. Man verband den Wolf mit allem Übel wie Hunger und Krankheiten, wodurch er seinen schlechten Ruf erhielt.
So entstanden unzählige, negative Geschichten über mich, die eine Kluft voller Missverständnisse und Ängste hinterliessen:
In der Bibel verkörpere ich das Böse und greife die Herde Gottes an.
Im Mittelalter war es die Angst vor dem Werwolf, der meinem Ruf schadete.
Und auch Märchen prägten das Bild des Wolfs als Menschenfresser für Generationen.
Über Jahrtausende wurden diese Geschichten über mich verbreitet, die sich in deinem Kopf verankerten und deine Angst schürten.
Eine Angst, die mich gefährdete.
Fakt 04
Beuteschema
Dabei gehört der Mensch gar nicht zum Beuteschema des Wolfes. Die natürliche Nahrung des Wolfes besteht (in der Schweiz) aus Hirschen, Rehen, Gämsen, Wildschweinen, Murmeltieren bis hin zu Vögeln und Mäusen.
Fakt 05
Wolfsjagd
Mitte des 19. Jahrhunderts hatte jeder Bürger das Recht und sogar die Pflicht, Wölfe zu erlegen. Hohe Abschussprämien und Schussgelder sowie verbesserte Schusswaffen förderten die Wolfsjagd zudem zusätzlich.
Durch die Jagd verschwand ich aus meinen letzten Rückzugsgebieten:
1870
aus dem Wallis
1872
aus dem Tessin
1874
aus dem Solothurn
1890
aus dem Jura
Bis es mich
nicht mehr gab.
Es vergingen viele Winter bis ich wieder
eine Pfote in meine alte Heimat setzte.
Fakt 06
Zuwanderung
Seit 1995 sind regelmässig Wölfe aus den italienisch-französischen Alpen in die Schweiz zugewandert. Laut Berner Konvention darf der Wolf nicht mehr ausgerottet werden, da er streng geschützt ist.
Während meiner Abwesenheit haben sich die Zustände der Wälder, die ich einst bewohnte, verschlechtert.
Als du meine Rückkehr bemerkt hast, warst du anfangs skeptisch und wolltest mich schnell wieder loswerden.
Zu meinem Glück verstehen immer mehr deinesgleichen, dass die Wälder mich brauchen und ein Nebeneinanderleben unabdingbar ist.
Fakt 07
Wildverbiss
Ohne den Wolf, der den Wildbestand auf natürliche Weise reguliert, fressen und beschädigen Wildtiere wie das Reh junge Triebe und hindern den Wald daran sich zu verjüngern.
Fakt 08
Verbreitung von Krankheiten
Der Wolf spürt kranke, schwache und alte Tiere auf und frisst sie. Wenn es in den Wäldern keine Wölfe gibt, verbreiten sich Krankheiten unter den Wildtieren schneller aus.
Fakt 09
Tote Wölfe
Seit der Rückkehr wurden in der Schweiz 46 tote Wölfe gefunden. 11 wurden legal auf der rechtlichen Grundlage des Wolfskonzepts Schweiz geschossen, 2 irrtümlich, 6 illegal und 27 starben aufgrund Verkehr, Absturz, Totfund oder Krankheit (Stand März 2020).
Auch ich habe gelernt, mich anzupassen. Ich meide deine Nähe und lehre meine Welpen, sich von dir und deiner gehorsamen Beute fern zu halten.
Fakt 10
Umgang mit dem Wolf
Der Wolf ist scheu und reagiert vorsichtig auf Menschen. Man muss ihm mit Respekt begegnen, ihm nicht nachlaufen und sie keinesfalls füttern – genau wie bei anderen Wildtieren auch.
Ganz werde ich aber meine Urinstinkte leider nicht ablegen können – das musst du mir verzeihen.
Wenn ich trotzdem in Versuchung gerate, bin ich froh, dass mich meine zahmen Verwandten sowie die surrenden Käfige, meist davon abhalten können.
Fakt 11
Angriff auf Nutztiere
Solange die Nutztiere gut geschützt sind, meiden Wölfe die Gefahr, mit Elektrozäunen oder Herdenschutzhunden in Kontakt zu kommen. Jährlich werden zwischen 300 bis 500 Nutztiere gerissen, insbesondere Schafe auf unbehüteten Alpen. Im Vergleich: Jährlich sterben ca. 4000 Schafe an Krankheiten und bei Abstürzen auf der Alp, weil sie ungenügend kontrolliert und geschützt werden.
Ich habe mich wieder in meiner alten Heimat eingelebt und ein Rudel gegründet.
Weitere Wölfe folgten meinem Beispiel.
Fakt 12
Wolfsrudel
2012 entstand das erste Rudel in Calanda. Seither gibt es 8 Rudel mit rund 69 Wölfen in der Schweiz (Stand 03.2020).
Fakt 13
Wolfskonzept
Der Bund fördert die Einwanderung des Wolfes nicht. Um Probleme zu minimieren, die mit der Anwesenheit des Wolfes entstehen, entwickelte das Bundesamt für Umwelt das Wolfskonzept. Darin wird die Vergütung der Wolfsrisse sowie die Abschussfreigabe geregelt.
Die Kluft der Missverständnisse, Vorurteile und Ängste, die unser gemeinsames Zusammenleben prägten, ist kleiner geworden.
Doch sie ist immernoch da.
Heute werden wir zwar von dir geduldet,
doch ich wünsche mir mehr:
Eine Zukunft, bei der wir friedlich mit Respekt und Akzeptanz nebeneinander leben können.
Nun hast du unsere gemeinsame Vergangenheit durch meine Augen gesehen.
Siehst du mich immer noch als eine blutrünstige Bestie ?
Oder bist du bereit eine
Koexistenz
mit mir einzugehen?
Für welche Zukunft entscheidest du dich?
Tolle Entscheidung!
Deine Stimme wird auch im September bei der Abstimmung über das revidierte Jagdgesetz des Bundes gebraucht. Mit deiner Stimme kannst du Abschüsse bedrohter Tierarten wie z.B. dem Wolf verhindern! Scrolle weiter nach unten und erhalte weitere Informationen zum Thema Koexistenz zwischen Menschen und Wolf sowie zur wichtigen, aufkommenden Abstimmung!
Wie schade...
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